07.04.10

Der Orden sitzt am falschen Fleck

Ich würde sagen, die Zeit des Fastens ist vorbei.
Du trinkst wieder, das habe ich bemerkt. 
Das meinte ich nicht.
Sondern?
Ich dachte du fragst: Wo kommst du denn her?
Oder: was hast du gemacht? Wo warst du und was ist passiert. Lang nicht gesehen.
So etwas in der Art.
Na gut. Und?
Was?
Na, wo warst du?
Ich bin im Netz herumgekrochen.
Im Internet, ja. Auf allen Vieren.
Gebuckelt habe ich.
Jetzt bin ich wieder da, an den Füssen neue Nike-Schuhe.
Und, hast du was erlebt da im Netz?
Die Bestellkataloge sind ausgefeilter, aber auch übersichtlicher geworden. Jeder kontrolliert Jeden, und zwar auf die unhöfliche Art. Man muss sich in acht nehmen beim Buckeln und Duckeln und Reinschlagen in die unsichtbaren Fressen.
Hm. Daher das Trinken?
Nö, daher die Nike.
Und schreiben tu' ich jetzt direkt im Blog. Es gibt kein Originaldokument mehr auf dem Rechner. Das ist neu. Aber das hat nichts mit Vertrauen zu tun. Das ist einfach Faulheit, ja, so kann man das nennen. Wer buckelt hat weniger Restzeit.
Erlebst du auch mal was Schönes?
Ja, wenn ich trinke und tanze.
In der Restzeit, was?
Ja, knapp bemessen, aber umso toller!
Von Selbstekel geplagt, wie?
Nö, eigentlich nicht. 
Wie gesagt, ich bin wieder da, man darf nicht vollendes Buckeln und Krümmen und unlustig zynisch. Ich bin an der Mauer langgefahren, die jetzt nicht mehr da ist, total unspektakulär. 1989, und 1991 dann der Golfkrieg. Bisschen zu lange her, um mit dem vollständigen Buckeln jetzt anzufangen.
Ich traf einen netten Mann aus dem Ostblock im Museum, er sprach mich an. Das Museum war übrigens oll, man musste 50ct bezahlen für einen Klogang (in bester Lage). Der junge Mann sass auf der Treppe, in Uniform, ich dachte zuerst, er gehört dazu, oder er macht Protest, wegen der Ausstellung, es war George Grosz, wobei - wie soll man dagegen protestieren, die Bilder, die Bilderchen, die Zeichnungchen, sind klein und locker, was sehr angenehm ist aber eng gehängt, was sehr unangenehm ist. Der Mann, blond, sitzt auf der Treppe, blaue Augen, grosse Zähne, klares Gesicht und dazu Uniform, olivgrün. Er sagt, er macht Pause. Ich dachte, er macht ein Happening. Nein, er macht Pause. Sein Kollege kommt auch gleich, der macht den Ami. Er ist der Russe. Beide lassen sich fotografieren, gleich vor der Tür vom Museum, vorm Brandenburger Tor. Touristenattraktion. Ich schaue raus und neben dem Ami steht noch einer, der ist ein Bär. 
Hat der auch Schuhe an? 
Weiss ich nicht, hab nicht geschaut. Ich dachte, ich würde mich gerne auch fotografieren lassen, mit Bär und Russen, meinetwegen auch dem Ami, alle Darsteller sowieso
Studenten aus der ehemaligen Sowjetunion, aber ich dachte, das wird dann zu teuer. Ich bin dann mit dem Bus nach Hause gefahren. Der Busfahrer war unfreundlich. 
Wenigstens buckelt der nicht.  
Weiss nicht. Ist das ein überhaupt ein Kriterium, Buckeln, nicht Buckeln. 
Naja, schon. Wie man gerade herauskommt. Das sagst du doch immer.
Dass man gerade herauskommt.
Stimmt. Im Bärenkostüm. Da hat man mehrere Möglichkeiten:
1. Knut werden 2. Freund fressen - und wenn es erst nach Jahren, Jahrzehnten ist. Und 3.? 
Hm. Mensch im Bärenkostüm mit internationalen Freunden.
Hm.

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