15.02.13

Schäm

http://www.myspace.com/music/player?sid=91933213&ac=now 

In der Kneipe ein komplettes Krankenhausbett mit Schläuchen und allem dran, Pissbeutel, Monitor, Kurve flach, frisch aus der Intensivstation.
Kleine Punker schnüffeln Klebstoff und nuckeln an Bierflaschen, in den Augen noch die Scham der letzten Nacht, nein, der letzten drei Nächte aufgetürmt, Schamberge zum sich hineinversenken und nicht mehr aufstehen, unterirdische Tunnel graben bis in den Keller der nächsten Kneipe, heimlich Whiskeytrinken, gute Vorräte, wer hätte das gedacht, wo es doch oben nur Weinbrand mit Cola gibt, aber den zumindest auch für den Sterbenden in seinem Krankenhausbett, aufgebockt direkt neben dem Billiardtisch -  'Ist doch gut, wenn er Gesellschaft hat, schliesslich, meinste nich? War doch immer hier, ist doch sein zuhause hier, wa?' Besser jedenfalls als zuhause sterben und allein, während der Fernseher läuft, ganz unauffällig sterben, einfach so, hat daher keiner gemerkt, drei Tage lang. Das Licht hat auch gebrannt, als die Polizei die Tür aufbrach, 'weil Erna hat doch jeden Tag ihre gelesene Zeitung in den Salon gebracht, und da hab ich mich schon gefragt, wo sie denn nu bleibt, kann ja nicht, war doch immer zuverlässig, auch wenn sie in letzter Zeit schlecht kieken konnte, aber Brille wollt' 'se nicht, hatte kein Geld, hat 'se gesagt, aber ich glaub' doch, sie war eitel, war ja mal schöne Frau, wenn auch vorzeitig gealtert, sah ja aus wie siebzig mit ihren 45 oder 50 Jahren. Hat dabei nichmal getrunken, aber Kette geraucht, hat 'se wohl. Und jetzt ziehen da sicher so Araber ein, in die schöne Wohnung und machen alles kaputt. Ein Skandal ist das, der Tod und alles.'

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